Stellungnahme zu den Berichten in der Freien Presse über eine Entenjagd an der Zschopau

Von der Jagd.

Als die frühen Menschen anfingen Tiere zu jagen, so machten sie dies um die erbeuteten Kreaturen anschließend zu verzehren. So verhält es sich auch mit den bei Entenjagden erlegten Enten.

Der Jäger als Naturnutzer hat natürlicherweise kein Interesse daran, von ihm jagdlich genutzte Tierarten zur Ausrottung zu bringen. Außerdem gibt es seit über hundert Jahren in Deutschland Jagdgesetze und Verordnungen an welche sich die Jäger zu halten haben. Diese wurden immer wieder entsprechend den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen und gesellschaftlichen Entwicklungen geändert und angepasst.

Der Interessierte muss in diesem Zusammenhang auch zur Kenntnis nehmen, daß keine dem Jagdrecht unterliegende Tierart ausgestorben ist, seitdem es in Deutschland eine flächendeckend regulierte Jagd gibt. Bei Tierarten die ausschließlich dem Naturschutzrecht unterliegen sieht es anders aus.

In Bezug auf die in der Kritik stehende Stockentenjagd steht außer Zweifel, dass die Höhe der Stockentenpopulation im Erzgebirgskreis gegenwärtig eine Bejagung zulässt, vor allem wenn man weiß, wie gering der tatsächliche Abschuss ist. In Deutschland wurden im Jagdjahr 2012/2013 414024 Wildenten erlegt, 5758 davon in Sachsen und 238 im Erzgebirgskreis. Eine sinkende Tendenz ist analog zu dem von Herrn Kolbe genannten Rückgang der Brutpaare feststellbar. Die Bejagung bis in den frühen Winter ermöglicht jedoch, dass vor dem Futterengpass des Hochwinters eine Entnahme erfolgt.

Diese Bestandsverringerung senkt die winterliche Futterkonkurrenz unter den Stockenten, sodass bei einer Anzahl von 238 erlegten Stockenten genauso viele oder sogar mehr Enten den Winter überleben als ohne die Bejagung. Dies gilt jedoch nur für gesicherte Bestände, sodass der weitere Verlauf beobachtet werden muss. Bei einer kritischen Tendenz muss dann auch die Bejagung infrage gestellt werden. Die von Herrn Kolbe vorgebrachte Legitimation der Jagd zur Wildschadensverhütung ist ein weiterer erst später hinzugekommener Grund für die Bejagung von Wildarten. Hierbei soll der Jäger die Wilddichte herstellen, welche Schäden in Land- und Forstwirtschaft möglichst nicht entstehen lässt. Für Stockenten ist natürlich eine Wildschadensproblematik nicht vorhanden und auch nicht zu erwarten. Wenn man allerdings die Jagd ausschließlich über Wildschadenverhütung legitimieren will, verabschiedet man sich von einer Jagd als einer der ältesten Beschäftigungen der Menschheit zur Nahrungsgewinnung und mutiert zum Schädlingsbekämpfer. Dieser ist dann an der Erhaltung von Wildarten nicht interessiert, da ja erst bei einem vollständigen Erlöschen der betroffenen Population die Wildschäden bei null liegen. Wenn man die auch durch Herrn Gläßer in den letzten Monaten angestoßene Diskussion bzgl. der Jagd im Erzgebirge vor diesem Hintergrund betrachtet, ist vieles vielleicht auch ihm und vielen anderen Laien besser verständlich. Die von Herrn Kolbe erwähnten zugefrorenen Gewässer und damit zusammenhängende Nahrungsnot bei den Stockenten lasse ich, vor dem Hintergrund des derzeitigen Winterverlaufs, als eine für Jedermann erkennbare falsche Behauptung unkommentiert. Zudem sind die Ziele der Weidgerechtigkeit nicht etwa, dass das Erlegen der Enten möglichst herausfordernd für die Jäger sein soll. Der gewählte Ort gewährleistet, dass die Enten nichts ahnend auftauchen. So kann die Erlegung mit der höchstmöglichen Präzision, Auswahl und Schnelligkeit erfolgen, dass nur die richtigen Vögel erlegt werden. Weidgerechtigkeit ist stets Tierschutz. Weidmannsheil Jan Reuter

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